Natur

Belvedereturm

Sonntag, 06 November 2022 15:18

Wenn es auf der A2 mal wieder länger dauert, fahrt bei der Abfahrt Lauenau oder Bad Nenndorf runter von der Autobahn und steuert den ausgewiesenen Deisterparkplatz am Waldrand für etwas Bewegung an. Von dort seid ihr nach einem kurzen Spaziergang am Belvedereturm.

Der Belvedere-Turm ist ein mittelalterlich anmutendes Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert, in dessen Inneren sich eine stählerne Wendeltreppe bis über die Zinnen hinaus hochwindet und zu einer Aussichtsgalerie mit Blick über die Baumwipfel führt. Ihr solltet für den Aufstieg und das Verweilen oben einigermaßen schwindelfrei sein, da man durch die Stufen tief nach unten schauen kann und das ganze Stahlgebilde oben ordentlich schwankt. Dabei ist es natürlich sicher. Im Vergleich zum Nordmannsturm und Annaturm war dies der – nach unserem Empfinden – bequemste Aufstieg.

Vom Parkplatz folgt erstmal der Teerstraße zum Wald. An der soliden Schutzhütte, die sich hervorragend für ein Picknick eignet, biegt ihr nach links ab auf einen Weg, der sich am Waldrand entlang schlängelt und der wirklich nicht kinderwagen- oder buggytauglich ist. Geht bis zu der Bank mit A2-Blick und biegt kurz davor in den ansteigenden Pfad nach rechts ab. Von dort lauft ihr bergan bis zu einer Schonung und einem Markierungspfahl. Dort geht es nach links zum Belvedereturm; der Weg ist nur noch kurz. Plötzlich steht man davor.

Wer nicht gleich zum Parkplatz zurück möchte, kann hinter der Schonung in Richtung Mooshütte gehen und gelangt zu einem Ausflugslokal, wo ihr euch stärken könnt. Oder ihr biegt hinter der Schonung rechts ab, um der Teufelsbrücke einen Besuch abzustatten. Mehr Informationen zur Teufelsbrücke findet ihr hier.

Uns hat der Spaziergang sehr gut gefallen, weil der Weg sehr abwechslungsreich war. Wir waren außerdem ziemlich froh, das Laufrad zu Hause gelassen zu haben.

 

Belvedereturm © Aron Jungermann

Wanderung entlang der Hüttentour

Freitag, 22 April 2022 17:51

Ihr möchtet einen ganzen Tag wandern, es soll aber genug Rastmöglichkeiten geben? Dann probiert die Hüttentour, die an sechs Schutzhütten vorbeiführt. Aber Achtung: Es sind einige Höhenmeter zu überwinden. Los geht es in Wennigsen.

Beginn der Wanderung ist Wennigsen, am königlichen Forsthaus am Georgsplatz.

Vom Georgsplatz folgt den Wegweisern zu den Wasserrädern.

www.deisterkinder.de/wennigser-wasserraeder

Von den Wasserrädern gelangt ihr zum Kammweg und zur Hütte an der Laube. Orientiert euch dazu an den Wegweisern, die zum Kammweg führen. Hier müssen 150 Höhenmeter überwunden werden. Das Ziel belohnt mit Bänken zur Rast.

Weiter geht es am Grenzstein Wöltjebuche vorbei zur Bielstein-Hütte. Hier könnt ihr einen schönen Ausblick genießen.

Orientiert euch nun an den Wegweisern zum obsoleten Taternpfahl an der Kreuzung Kammweg/Hannoversche Heerstraße, wo die nächste Hütte steht. An dieser Stelle kann die Wanderung abgekürzt und über den Brandweg nach Bredenbeck abgebogen werden.

Der eigentliche Hüttenweg führt noch etwa 1,5 km weiter über den Kammweg und endet an der Glashütte Steinkrug. Dort können hungrige Wanderer ins Restaurant Steinkrug einkehren.

www.deisterkinder.de/wanderung-zur-glashuette

Viel Spaß auf dieser Tagestour, die sich jedoch nur für ausdauernde Kinder und Jugendliche eignet. Einzeletappen können wiederum auch kleinere Kinder und untrainierte Erwachsene bewältigen.

Weitere Informationen zur Hüttentour gibt das Tourismusbüro Wennigsen unter www.tourismus-wennigsen.de

 

Der Deister hat auch seine dunklen Seiten. Wenn eure Kinder Krimis mögen oder sich gern ein bisschen gruseln, dann wandert doch zu den Stellen, die an Verbrechen und Todesfälle erinnern. Damit möchte ich keine Verherrlichung von Verbrechen betreiben, sondern euch mit Informationen versorgen, mit deren Hilfe sich vielleicht der eine oder andere tageslichtscheue Jugendliche in die Natur locken lässt. Auch für Nachtwanderungen oder nachdenkliche Gespräche eignen sich die Geschichten.

Wennigsen: 1807 tötete ein Wilddieb den 27-jährigen königlichen Jäger Topius, als dieser versuchte, ihn zu stellen. Zum Gedenken wurde Topius von Constantin Nordmann 1847 ein Denkmal aus Sandstein errichtet, welches sich heute am Georgsplatz in Wennigsen befindet. Es kann Ausgangspunkt der Hüttenroute, einer Wanderung zu den Wasserrädern oder dem Aufstieg zum Kammweg sein.  

Bad Münder: Östlich von Bad Münder liegt der Meesenstein. Er erinnert an Curt Meese, der tragischerweise von seinem Freund auf der Jagd erschossen wurde. Meese, so die Erzählung, versteckte sich im Gebüsch und grunzte wie ein Wildschwein, was eine dumme Idee ist, wenn man mit Freunden auf Wildschweinjagd geht. Sein Freund schoss in Meeses Richtung und verwundete ihn tödlich. Meese lebte zum Glück noch lange genug, um die Helfer über sein eigenes Verschulden zu informieren, so dass sich sein Freund nicht wegen Todschlags vor Gericht verantworten musste. Der Stein, der heute an ihn erinnert, ist ein Ersatz für den ursprünglichen verwitterten Kreuzstein.

www.unser-stadtplan.de/Freizeitkarte/Hameln-Pyrmont/info/Meesenstein-Bad-Munder-am-Deister.map

Barsinghausen: Ein weiterer Kreuzstein liegt nicht mehr im Wald, sondern in der Stadt. In Barsinghausen erinnert ein Stein aus dem 17. Jahrhundert an Heinrich Schein, der 27-jährig von drei Räubern erschlagen wurde. Der Stein befindet sich in der Gartenmauer eingelassen am Grundstück Osterstraße 7a.

Wennigsen: Gleich zwei widersprüchliche Geschichten gibt es zum Elten-Denkmal in Wennigsen. Die Inschrift des Steins besagt, dass der Förster Elten beim Versuch, einen Wilddieb zu stellen, von diesem angeschossen wurde und im Sterben liegend diesen wiederum mit einer Kugel tötete. Diese Version, die arg nach Westerndrama klingt, darf gern angezweifelt werden. Die inoffizielle Version lautet nämlich so, dass der Förster vom Wilddieb Meyer aus (Bad) Münder erschossen wurde und sofort verstarb, ohne vorher seine Waffe zu zücken oder zu feuern. Der Wilddieb blieb also erstmal am Leben. Er wurde erst später von anderen Jägern, die den toten Elten gefunden hatten, in Selbstjustiz erschossen. Die Leiche schleppten die Jäger in die Nähe von Eltens Körper, wo sie von Holzfällern gefunden wurde. Wegen der ziemlich verdächtigen Blutspur verlangten die Dienstherren einen Bericht von den Jägern. Diese gaben aus Angst vor der Rache der Wilddiebe zu Protokoll, dass Elten den Wilddieb getötet habe, und ließen so die Legende entstehen.

Weitere Informationen zu Aussehen und Lage des Elten-Denkmals findet ihr hier:

www.kreuzstein.eu/html/body_waldkater.html und hier de.wikipedia.org/wiki/Eltendenkmal

Außerdem gibt es eine nette Wanderung, die sich auch für Kinder eignet, für die aber 3 bis 4 Stunden einzuplanen sind.

www.outdooractive.com/de/route/wanderung/hannover-und-umgebung/elten-denkmal-und-wennigser-wasserraeder/111604098/

Koordinaten: 52° 15′ 2″ N, 9° 32′ 0″ O | |

Bredenbeck: Ein weiteres Verbrechen geschah 1858 in Bredenbeck. Auf dem Waldweg von Bredenbeck nach Völksen wurde der junge Springer Moritz Blumenthal überfallen. Der 18-Jährige hatte für seinen Vater Rechnungsgelder abgeholt, 18 Taler, so die Publikation der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. Die Diebe stahlen das Geld und töteten den jungen Mann. Der Weg, auf dem dieses Verbrechen geschah, wurde später nach Moritz, der Jude war, Judenweg genannt.

Kammweg: Ein Wilddieb tötete 1926 zwei Männer, den 33-jährigen Förster Meyer aus Egestorf sowie den 76-jährigen Haumeister Bode aus Wennigser Mark. Sie hatten versucht, den Rucksack des Wilddiebs in der Nähe von Nienstedt zu durchsuchen, was dieser verhindern wollte. An die Opfer erinnert ein großer Stein am Kammweg östlich von Nienstedt in der Nähe des Funkpeilturms.

Springe: Ein Halunke, allerdings kein grausamer Schuft, war der Springer Bernhard Goebel, der 1848 in die USA auswanderte und dort behauptete, noch vor Thomas A. Edison die Glühlampe erfunden zu haben. Diese Behauptung gilt heute als widerlegt, eine Glühbirne in Springe erinnert aber noch immer an Goebel als „spannende[n] Teil der Stadtgeschichte“. Wer mehr dazu erfahren möchte, dem sei ein Besuch in Springe empfohlen, wo die Goebel-Birne als Denkmal steht und ein Podcast von Schülerinnen und Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums für Aufklärung sorgt. Den Podcast könnt ihr hören, wenn ihr den QR-Code am Denkmal scannt.

Gneis-Naturdenkmal Ostermunzel

Freitag, 01 April 2022 15:20

Wenn ihr in Ostermunzel seid und einen abwechslungsreichen Spaziergang machen möchtet, dann lauft zum Gneis-Naturdenkmal. Es handelt sich dabei um einen für Kinder kolossal wirkenden Findling von schlappen 27,5 Tonnen Gewicht, der in der Nähe auf dem Acker von Landwirt Hans-Heinrich Voges ausgegraben wurde und heute an einer Wegkreuzung zweier netter Wanderwege auf dem Mühlenberg liegt.

Am Findling gibt euch eine Informationstafel alles an die Hand, was ihr für eure Erklärungen braucht. Gegenüber steht eine Schutzhütte mit Tisch und Bank. Daneben wurden Naturrätselstationen errichtet, mit denen Kinder die heimische Tier- und Pflanzenwelt entdecken können. Leider waren die Bilder bei unserem Besuch sehr verblasst, nur das Baumquizz ließ sich bespielen, aber vielleicht wurden die Bilder inzwischen ausgetauscht.

Zwei Wegweiser zeigen euch im Ort und am Ortsausgang den Beginn der beiden Wege zum Naturdenkmal. Von dort könnt ihr eine kurze Strecke zum Findling gehen, eine mittlere Runde machen oder eine längere Tour am Stein vorbei und entlang der Wanderwege laufen oder fahren. Die Strecke ist rollen- und radtauglich.

In der Nachbarschaft befinden sich zudem einige Windräder. Unser kleiner Sohn war fasziniert davon, am Fuße der Anlagen zu stehen und die rotierenden Flügel zu beobachten. Hier lässt sich auf jeden Fall ein abwechslungsreicher Spaziergang für Groß und Klein gestalten.

06/2022

 

Eure Kinder lieben Züge? Dann plant einen Besuch zu den Fahrtagen in Almstedt, Sibbesse im Landkreis Hildesheim, denn an diesen Tagen könnt ihr auf dem Außengelände des Vereins Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahn e.V. nicht nur die unzähligen Lokomotiven, Güterwaggons und Personenwagen aus dem letzten Jahrhundert sowie allerlei andere Schienen- und Straßenfahrzeuge von heute und gestern besichtigen, sondern auch mit der Draisine fahren, euch im restaurierten Café-Wagen stärken, einen historischen kleinen Bahnhof betreten und euch selbstgemachte Pizza schmecken lassen. Im großen Lokschuppen kann außerdem eine alte Hanomag-Dampflokomotive von 1901 bewundert werden. Eintritt wird an diesen Tagen nicht erhoben, der Verein freut sich aber über Spenden.

Für 2022 sind diese Tage für den 14./15. Mai, den 16./17. Juli, den 20./21 August sowie den 01./02. Oktober geplant. Schaut mal auf der Website nach:

www.almetalbahn-online.de/

Das Gelände ist auch außerhalb der Fahrtage nach Rücksprache mit dem Verein zugänglich. Da es sich bei dem Gelände nicht um ein Museum handelt, gibt es keine Absperrungen, sondern auch Ecken, an denen man sich verletzen oder etwas beschädigen kann, daher passt bitte auf euren Nachwuchs auf, damit das Gelände weiterhin von Familien besucht werden kann. Unserem dreijährigen Sohn hat der Besuch übrigens sehr gut gefallen. Er fand es toll, die vielen Fahrzeuge anzuschauen, hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken, auf den Schienen der stillgelegten Strecke herumzulaufen und am Schluss auch noch nebenan Ziegen zu finden.

Alle Fahrzeuge bis auf die Dampflok, die im Lokschuppen steht, können von außen besichtigt werden. Wenn ihr Vereinsmitglieder bei der Arbeit an den Wagen oder am Gelände trefft, grüßt sie bitte, denn ohne sie gäbe es dieses kleine Paradies nicht, und fragt sie gern nach der Spendenkasse, denn die Arbeit an den Fahrzeugen ist – wie man sich denken kann – zeit- und kostenaufwendig. Alle Züge, die vor dem Bahnhof stehen, hat der Verein fachkundig selbst restauriert. Weitere Wagen und Loks warten noch auf die Restaurierung, so dass euer Geld gut angelegt ist. Wer Genaueres über die verschiedenen Fahrzeuge wissen möchte, wird auf der gutbestückten Homepage des Vereins fündig.

Auf Wunsch richtet der Verein auch Kindergeburtstage aus. Neben dem kleinen Bahnhof gibt es eine abgetrennte Grillecke mit Sitzgelegenheiten und der Verein organisiert für die kleinen Gäste Fahrten mit der Draisine und andere Aktivitäten. Fragt bei Interesse einfach über die Website an. 

Zum Gelände kommt ihr, wenn ihr beim Landhandel Weiterer den Weg hochfahrt. Parken könnt ihr gegenüber vom Bahnhof. Wenn ihr außerhalb der Fahrtage kommt, müsst ihr Verpflegung mitbringen und auf öffentliche Toiletten verzichten. Wegen der Schienen ist das Gelände nicht rollentauglich.

07/2022

 

Ihr interessiert euch für frühmittelalterliche Gräberfunde und Römerschätze? Dann auf nach Gehrden.

Im Stadtmuseum könnt ihr Grabfunde aus der Merowinger-Zeit (6./7. Jahrhundert) besichtigen sowie die Repliken eines römischen Silbermünzschatzes vom Gelände der ehemaligen Franzburg in Gehrden. Die Originale liegen in Hannover im Landesmuseum. Darüber hinaus sind die für ein Heimatmuseum typischen Geräte ausgestellt. So gibt es eine komplette Schmiede, eine Tischler- und eine Schusterwerkstatt. Das Museum erlaubt damit zum einen den Blick in die nahe Geschichte, indem es zeigt, wie die Menschen in der Gegend im 19. und 20. Jahrhundert arbeiteten. Zum anderen geben die Funde aus dem Mittelalter und der Römerzeit Einblicke in das Leben vor 1500 bis 2000 Jahren. Es geht also sehr weit zurück in der Geschichte, was dieses Heimat- und Handwerkermuseum im Deisterraum zu etwas Besonderem macht.

Geöffnet ist das Stadtmuseum immer Sonntagnachmittag von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Coronabedingte Schließungen sind möglich. So ist das Museum in der verlängerten Winterruhe im Januar 2022 geschlossen.

Vom Museum könnt ihr schön in den Wald hochwandern. Dazu einfach der Staße den Berg hoch folgen und oben links in den schmalen Pfad abbiegen.

 

02/2022

Spaziergang über den Gehrdener Berg

Sonntag, 23 Januar 2022 16:08

Möchtet ihr mit euren Kindern einen Spaziergang um den Gehrdener Berg unternehmen und eine schöne Aussicht genießen? Dann ladet euch das Heft 7 der Pixi-Buch-ähnlichen Publikationsreihe der Region Hannover herunter und lasst euch vom Büchlein auf einen längeren Spaziergang führen.

Los geht es an der alten Brauerei, in der heute das Stadtmuseum untergebracht ist, führt von dort zum alten jüdischen Friedhof (der leider nicht zu betreten ist) und zur Struckmeyerschen Windmühle, auch Kindermühle genannt, die am Gasthaus liegt, sowie zu Insekten und einem tollen Blick. Auf der ersten Etappe könnt ihr hinter euch bis nach Hannover blicken, und wenn sich vor euch der Wald lichtet, liegt das Calenberger Land bis zum Deister vor euch. An verschiedenen Stationen könnt ihr Fragen beantworten, etwas über die Geschichte der Orte und die Natur lernen und am Ende mit Hilfe des Heftchens ein Rätsel lösen.

www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Naherholung/Natur-erleben/%22Gr%C3%BCne-Sch%C3%A4tze%22

Für kleinere Kinder ist der Rundgang vielleicht etwas zu lang, aber man kann ihn auch abkürzen, da im Heft viele Wege eingezeichnet sind, oder nach der Hälfte umdrehen. Unserem Dreijährigen, mit dem wir die erste Hälfte gegangen sind, beklagte, dass ein Spielplatz fehle. Ihm gefielen jedoch die im Wald gebauten Hütten und das Balancieren auf Baumstämmen am Wegesrand.

Achtung: Nach schlechtem Wetter können die Waldwege zu matschig für eine Karre sein.

Für Hungrige und Durstige ist die Einkehr im Berggasthaus Niedersachsen möglich. Die Aussicht von dort ist phänomenal.

 

06/2022

Irgendwie waren sie alle in der Gegend: Die Dinosaurier, die Römer, die napoleonischen Truppen… Wenn sich eure Kinder für Geschichte und die Römer begeistern, könnte ihnen Wilkenburg gefallen. Denn dort wurden die Reste eines großen Römerlagers aus dem ersten bis fünften Jahrhundert n. Chr. freigelegt und einige Teile der Anlage rekonstruiert, so dass man nicht nur auf einem Feld steht und seine Fantasie bemühen muss, sondern auch ein paar Dinge gezeigt bekommt.

Die Römer-AG-Leine ist sehr rührig und bietet kostenlose Führungen und Vorträge an. Schaut mal auf der Website, was gerade geplant ist. Auf der Seite findet ihr auch detaillierte Informationen zur Anfahrt mit dem PKW oder den Öffis.

www.roemerlager-wilkenburg.org

Die Römer-AG-Leine erhebt erst ab einer gewissen Gruppenstärke eine kleine Gebühr für die Führungen und freut sich immer über Spenden für ihre Aerbeit.

Und was machten die Römer am Deister? Bei Velleius Paterculus finden wir Informationen zum Bellum Immensum, dem Gewaltigen Krieg, den die Römer mit den Germanen in der Zeit von 1 - 5 n. Chr. führten, und in den anhand der gefundenen Münzen das Lager Wilkenburg zu datieren ist. Somit war höchstwahrscheinlich der spätere Kaiser Tiberius selbst vor Ort. Kriegerische Auseinandersetzungen fanden allerdings in Wilkenburg nicht statt, sondern eher diplomatische Verhandlungen mit den hier ansässigen germanischen Cheruskern. Und über das Lagerleben unter Tiberius berichtet Velleius: "Solange der germanische und der pannonische Krieg dauerten, war keiner von uns, ob von höherem oder niederem Rang, jemals krank, ohne dass sich Tiberius Caesar um seine Gesundung und Wiederherstellung gekümmert hätte, und zwar mit solcher Anteilnahme, als ob er, der mit größten Lasten überhäuft war, keine anderen Sorgen hätte. Ein angespanntes Fuhrwerk war bereit für alle, die es haben wollten, seine Sänfte stand allen zur Verfügung (wie viele andere habe ich sie benutzen können.) Seine Ärzte, seine eigene Küche, eine Badeeinrichtung, die man eigens für ihn allein mitführte - alles stand zur Heilung jedes Kranken zur Verfügung." (Velleius Paterculus, Römische Geschichte, II, 114)

Nicht nur in Wilkenburg, auch vor und nach dem dortigen Aufenthalt waren die Römer am Deister aktiv, wie Funde und antike Autoren belegen. In den Annalen von Tacitus, einem römischen Historiker und Schriftsteller, werden Schlachten mit den Germanen erwähnt, darunter auch die am Angrivarierwall, die 16 n. Chr. stattgefunden haben soll. Dieser Schutzwall könnte bei Springe gelegen haben, so eine Theorie. Die entsprechende Textstelle bei Tacitus lautet übersetzt folgendermaßen:

„Zuletzt suchten sie sich einen Kampfplatz aus, der vom Fluss und Wald umschlossen war und in dem sich eine schmale sumpfige Fläche befand. Auch um das Waldgebiet zog sich ein tiefer Sumpf, nur eine Seite hatten die Angrivarier durch einen breiten Damm erhöht, der die Grenzlinie zu den Cheruskern bilden sollte."

Für die Übersetzung geht mein Dank an Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Angrivarierwall und ohne Frau Hagemann von der Römer-Leine-AG wäre hier auch nicht so viel zu lesen gewesen.

Münzfunde nördlich vom Deister, von Wennigsen bis Hannover, belegen, dass die Römer wirklich um den Deister unterwegs waren. Angeblich soll der alte Nienstedter Kirchweg von Nienstedt nach Barsinghausen früher ‚Römerweg‘ gehießen haben, was nahelegen würde, dass die Römer sogar durch den Deister gingen, aber das ist nur eine Legende, denn die Karte, auf der dieser Name verzeichnet gewesen sein soll, ist verschollen.

Wer solche römischen Münzen sehen möchte, der kann den Silberfund von 1902 vom Gelände der ehemaligen Franzburg in Gehrden im Landesmuseum in Hannover bestaunen oder Kopien der 30 Denare in Gehrden im Heimatmuseum besichtigen. Die Münzen stammen aus zwei Jahrhunderten, die jüngsten wurden unter Augustus geprägt.

Und ein letztes Wort zu den Truppen Napoleons, falls jemand bei dem Begriff ‚Napoleon‘ aufgehorcht hat: Napoleons Bruder Jérome Bonaparte verbrachte während seiner Regentschaft einige Zeit in Bad Nenndorf, wie Moritz von Kaisenberg auf S. 244 in seinem Buch König Jerome Napoleon unterhaltsam schildert.

Von Kaisenberg echauffiert sich über die laxe Moral des Königs während seines Aufenthalts in Bad Nenndorf. Hier ein Link zu Google Books für diejenigen, die alt genug sind, um die alten Druckbuchstaben zu entziffern:

books.google.de/PA244napoleon+deister

 

02/2022

Ihr möchtet einmal eine Windmühle von innen besichtigen? Ein Gallerieholländer öffnet in Bennigsen seine Pforten für euch.

Kopf und Flügel fehlen zwar, aber die alte Technik ist da und kann besichtigt werden. So ist diese auf den ersten Blick etwas lädierte alte Windmühle eine schöne Ergänzung zu den anderen Windmühlen um den Deister, die meist nur von außen zu besichtigen sind. Diese Windmühle darf im Rahmen der regelmäßigen kostenlosen Führungen betreten werden, die von der Besitzerfamilie angeboten werden. Kinder sind herzlich willkommen. Teile der Ausstellung sowie einige Veranstaltungen richten sich speziell an Kinder.

Für den kleinen Hunger bietet die Besitzerfamilie im integrierten Mühlencafé Kaffee, Kuchen und Brot aus dem Holzbackofen sowie Eis aus der ganzjährig betriebenen Eistheke an der Lüderserstarße an. Eine kleine Bowlingbahn kann gemietet werden.

Sonntags öffnet die Bennigser Mühle um 14 Uhr ihre Pforten für kleine und große Besucher. Eine Führung dauert 50 Minuten. Die Besitzerfamilie passt die Öffnungstage an die Nachfrage an. Im Winter 2021/22 öffnet sie wöchentlich. Schaut aber bitte auf der Homepage nach, was gerade aktuell ist oder ob vielleicht pausiert wird.

www.muehle-von-b.de

Falls ihr eine Feier oder ein kulturelles Event plant, so könnt ihr die Mühle auch für zwei Kuchen, die im Rahmen der Veranstaltung im Café angeboten werden, mieten. Das Gelände bietet auf seinen 5000 Quadratmeter u.a. eine Innen- und eine Außenbühne.

Bienenhaus Reinsdorf

Donnerstag, 04 November 2021 09:22

Ihr möchtet Bienen mit allen Sinnen kennenlernen? Auf nach Reinsdorf zum Bienenhaus, dem einzigen seiner Art in Deutschland.

Von Mai bis September könnt ihr das barrierefreie Haus und seine 10 Bienenvölker besuchen und dort viel über Bienen und Honig lernen. In dem ungewöhnlichen Haus erlebt ihr Bienen mit allen Sinnen. Das Haus wurde aus natürlichen Materialien gebaut, ist wie eine Bienenlarve geformt, riecht den Honig und beherbergt die Kästen, welche die Bienen von außen anfliegen können. Wer leise ist, hört das Summen der Völker.

Mittwochs kann man das Haus von 14 bis 18 Uhr besichtigen und der Imkerin seine Fragen stellen.

Wer mehr als die Erinnerung an diesen schönen und wirklich stimmungsvollen Ort mitnehmen möchte, kann das im Herbst 2021 erschienene Kinderbuch des Vereins erwerben, in dem es um die Freundschaft zwischen Menschen und Insekten geht. Wir haben uns in dem liebevoll eingerichteten kleinen Laden außerdem mit verschiedenen der tollen Honigsorten eingedeckt, die von den Reinsdorfer Bienenvölkern produziert werden. Unser kleiner Sohn war besonders begeistert von den Honig-Gummibärchen.

Mehr über das Haus erfahrt ihr hier:

www.das-bienenhaus.de/

 

Bienenhaus © Carola hecke