Skip to main content

Wanderungen zu Lost Places


Im Deister gibt es viele verlorene Orte. Einige wurden vor Jahrhunderten aufgeben, andere erst im 20. Oder 21. Jahrhundert. Einige sind leicht zu finden, bei anderen müsst ihr etwas suchen. Viel Spaß beim Entdecken.

 

Jeder der vielen ehemaligen Stollenzugänge mit ihren alten Abraumhalden und verrammelten Mundlöchern, die daran erinnern, dass im Deister Kohle abgebaut wurde, sind ein Lost Place für sich. Man kann von Stollen zu Stollen wandern, Ruinen suchen, in die Schachtzugänge lugen oder auf die künstlichen Berge klettern.

 

Bei Nienstedt gibt es einen eingeebneten und später wieder neu angelegten Kinderfriedhof im Wald. Die Kinder starben in der Nazi-Zeit im nahegelegenen ehemaligen Sophienhof, der damals Teil der Kinderheilanstalt Hannover war und später zum Landschulheim werden sollte. Heute steht das Gebäude leer und es geht das Gerücht um, dass es dort spukt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie viele Kinder dort unter fragwürdigen Umständen gestorben sind. Wer dem Weg vom Kinderfriedhof in den Wald folgt, kann zur Wallmannhütte, zur Alten Taufe und zum Kammweg hochwandern. Bitte die Steigung nicht unterschützen – der Weg ist wirklich nicht kinderwagentauglich. Wer vom Kinderfriedhof kommend die Lauenauer Straße überquert, gelangt über die Ludwig-Schlepper-Straße in das Walterbachtal. Schlepper war übrigens ein Architekt aus der Gegend und ließ den Sophienhof für seine Frau Sophie bauen. So schließt sich der Kreis.

 

Folgt man dem Weg durch das Walterbachtal, kommt man zu einem verlandeten Teich, dem ehemaligen Hexenteich, in dem im Mittelalter die grausame Hexenprobe gemacht wurde. Dazu warf man eine Frau, die wegen Hexerei angeklagt worden war, mit gefesselten Händen in das Wasser des damals wohl tieferen Teichs. Blieb sie trotz gefesselter Hände an der Wasseroberfläche, so galt dies als Beweis, dass sie eine Hexe war, und man tötete sie. Die unschuldigen Frauen gingen aber leider unter wie die Steine, und wenn man lange genug gewartet hatte, um sie für unschuldig zu erklären, waren sie auch meist tot, so dass sie wenig Nutzen aus diesem Freispruch zogen – im Gegensatz zu den Anklägern. Es gibt alte Protokolle, die belegen, dass auch im Deister diese frauenfeindlichen Praktiken gepflegt wurden. Heute sieht der Teich aus, als könne man bequem darinsitzen, ohne dass die Frisur nass wird. Etwas Unheimliches schwebt aber über dem Ort. 

 

In Barsinghausen gibt es einen verwaisten jüdischen Friedhof in der Deisterstraße am Waldrand. Der Friedhof wurde bis 1909 genutzt, dann wurde er geschlossen und in der Nazi-Zeit verwüstet. Als die Menschen wieder bei klarem Verstand waren, errichteten sie einen Gedenkstein und zwei der umgestoßenen, nicht zerbrochenen Grabsteine wurden wieder aufgestellt. Kleine Steine darauf ehren heute die Toten. Vom Friedhof kann man eine schöne Wanderung durch das Fuchsbachtal vorbei an einem Teich mit Picknickplätzen zu einer Quelle und einem alten Stollen machen. Für einen nicht zu langen Spaziergang könnt ihr mit kleineren Kindern und Laufrad einfach nur bis zum Teich gehen:

http://navigator.barsinghausen.de/tour-903000001-20002.html

 

In Nienstedt befindet sich im Wald ein ehemaliges Schwimmbad. Es wurde vor etlichen Jahrzehnten aufgegeben, aber das Becken wurde nie zugeschüttet. Um es zu finden, muss man am Ortseingang von Nienstedt der Straße Teilhofsweg in den Wald folgen und an der Stelle, an der der Weg bei den Stommasten einen scharfen Knick nach rechts macht, hinter dem Schild linkerhand im Wald einen dunklen Teich suchen. Dazu braucht man nur dem Trampelpfad zu folgen und wenige Schritte abseits vom Weg zu gehen. Fällt das Sonnenlicht hinein ins alte Becken, kann man mit etwas Glück im trüben Wasser die alten Kacheln leuchten sehen, so die Einheimischen. Das Baden ist hier nicht zu empfehlen; wer den verlandeten Tümpel sieht, weiß weshalb. Folgt man dem Weg, von dem man den Abstecher zum Teich gemacht hat, kann man im großen Bogen an Pferden vorbei um die Nienstedter Wiesen wandern (kleine Wanderung, dazu die erste Abzweigung nach dem Schwimmbad nach rechts nehmen), links am Schwimmbad oder später bergan zum Kammweg und Nienstedter Pass hochgehen (mittlere Wanderung) oder nach Köllnischfeld wandern (lange Wanderung).

 

 

Auch der Kalte Krieg hat im Deister Spuren hinterlassen: Im Bereich von Barsinghausen befand sich am Kammweg bis 1972 eine rund um die Uhr besetzte und voll funktionsfähige Abschussrampe für die Hawk-Abwehrraketen des NATO-Flarak-Verteidigungssystems. Hier saß das 420 Squadron – für diejenigen, die es interessiert. Heute ist das Gelände nicht mehr in Benutzung und verwaldet wieder. Hier ein Blick von oben:

www.hawkies.de/hawk-standorte-4-ggw.html

Informationen zum Raketensystem findest du hier:

www.relikte.com/nds_flarak_hawk/index.htm

Auf der Wanderung am Kammweg kommt ihr daran vorbei.

 

Ebenfalls im Bereich von Barsinghausen stand früher ein Kinderheim im Wald. Wer sucht, findet Reste der Pflasterung zwischen den Bäumen. Von Egestorf kommend, kurz vor dem Nienstedter Pass links erstreckt sich ein noch eher spärlich bewachsenes Gelände und dort, im Bereich der Hohen Warte, war das Kinderheim „Hohe Warte“ in einigen Fachwerkgebäuden untergebracht, die noch aus der Zeit der Kohleförderung stammten. In der Nazi-Zeit wurden dort jugoslawische Kriegsgefangene untergebracht, kurz danach zogen die Kinder ein. In den 1990er Jahren wurde das Gebäude zur Unterkunft für Asylbewerber und 2007 wurde die baufällige Anlage, die vermutlich allen Bewohnern sehr deutlich gemacht hat, dass sie in Barsinghausen nicht willkommen waren, endlich abgerissen. Die Aufforstung und Renaturierung sind in vollem Gange. Man erreicht das Gelände bequem über die Wanderwege vom Parkplatz am Nienstedter Pass.

 

Die Heisterburg, auch genannt Heisterschlösschen, ist eine etwa tausend Jahre alte verlassene Ringwallanlage. Sie liegt im Schaumburger Land bei Beckedorf. Einen hübschen Wanderweg, auf dem nur 90 Höhenmeter zu bewältigen sind, findet ihr hier:

www.routeyou.com/de-de/route/view/6937730/wanderroute/wandern-entlang-heisterschlosschen

Eine drei- bis vierstündige Wanderung beginnt am Naturfreundehaus und führt auch an der Teufelsbrücke und der Kreuzbuche vorbei:

http://navigator.barsinghausen.de/tour-903000004-20002.html

Wer mehr über die Geschichte der Heisterburg und anderen Burgen dieser Art lesen möchte, wird hier fündig:

www.barsinghausen.de/static/medien/km/lokalitaeten/903000480_download.pdf