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Friedhof der Vergessenen Kinder bei Nienstedt


Für einen nachdenklichen Blick in die Vergangenheit empfehle ich einen Besuch auf dem Waldfriedhof bei Nienstedt. Gleich hinter dem Ortsschild rechts führt ein Weg in den Wald, von wo nach einigen Minuten Gehzeit links an einem nicht zu übersehenden Schild ein Trampelpfad ins Gebüsch und zu einer kleinen Lichtung führt.

Auf der Lichtung ruhen die Kinder von Zwangsarbeiterinnen aus der NS-Zeit unter hohen Bäumen. Während ihre Mütter unter den Nazis Arbeitsdienste leisten mussten, blieben sich die Kleinkinder in Ahlem und anderswo selbst überlassen, viele wurden krank. Diese kranken Kinder schickte man nach Nienstedt in eine Außenstelle der Hannoverschen Kinderheilanstalt, in der viele der kleinen Kinder starben. Sie wurden im Wald begraben. Heute ist das Gräberfeld eingezäunt und ein Gedenkstein erinnert an die jungen Opfer des Nationalsozialismus. Einige Kinder erhielten nachträglich Grabsteine, so dass man heute ihre Namen und Geburtsdaten lesen kann. Eine kürzlich errichtete Schautafel mit vielen Bildern bietet Antworten auf Fragen, die Kinder und Jugendliche sicherlich stellen werden. Auch eine Skulptur und ein Gedenkstein laden zum Nachdenken ein.

Man erreicht den Friedhof vom Kammweg kommend an der Wallmannhütte vorbei auf dem Weg nach Nienstedt oder von unten aus Nienstedt kommend über einen Waldweg, der von der Straße nach Messenkamp bzw. Lauenau gleich nach dem Ortschild rechts abzweigt. Ein Parkplatz ist dort nicht ausgewiesen.

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Wenn eure Kinder Fragen dazu stellen, wie der Nationalsozialismus Kinder behandelte und wie ein jüdisches Kind diese Zeit erlebt hat, dann schaut euch das folgende Video an, das wir mit dem Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg (99) drehen durften. Meine Schulklasse hatte Fragen vorbereitet und Albrecht hat sie netterweise beantwortet. Er wurde von den Nazis schon als Jugendlicher zur Zwangsarbeit herangezogen, gelangte mit knapp 18 Jahren nach Auschwitz, dann nach Buchenwald (Mittelbau Dora) und wurde schließlich mit 20 Jahren in Bergen-Belsen befreit. Er wohnt heute in der Nähe meiner Eltern, daher konnte ich ihn zu Hause besuchen.

Link zum Interview mit Albrecht Weinberg

02/2025